26.06.2017

Ob Rollstuhl oder Skateboard — Hauptsache in der Rampe

Sie kennen sich nur flüchtig, aber haben die gleiche Leidenschaft. Lisa Schmidt  und Danny Klahold skaten beide fast jeden Tag – wenn auch auf ganz unterschiedliche Art: Sie im Rollstuhl, er auf dem Brett. Hier erzählen sie, was sie antreibt – und wieso sie freiwillig auf die krassesten Tricks verzichten.

Dieser Artikel wurde im Auftrag und mit Unterstützung von Aktion Mensch verfasst.

Foto: Jörg Farys | Gesellschaftsbilder.de

Lisa Schmidt, 29, lebt mit ihrem Freund, dem Rollstuhlskater David Lebuser, in Dortmund. Mit ihrer Firma Sit’n’Skate veranstalten sie Skate- und andere Workshops für Menschen mit und ohne Behinderung.

 

„Für die Skateszene bin ich eine totale Spätstarterin: Ich habe erst mit 26 begonnen, gleich nachdem ich meinen Rollstuhl bekommen hatte.  Wahrscheinlich ist deshalb die größte Herausforderung für mich immer noch die Überwindung vor einem neuen Trick. Während die Kids praktisch vor nichts Angst haben, hat man in meinem Alter immer auch die Risiken im Kopf, wenn man in zwei Metern Höhe steht und in die Rampe reinfahren muss. Dieser Drop-in ist mit dem Rollstuhl ziemlich tricky, weil du den Körper austricksen musst, um dich an die Schräge der Rampe anzupassen und nicht nach hinten zu kippen. Glücklicherweise hatte ich das relativ schnell drauf. Seitdem sind einige Tricks dazu gekommen. Ich kann zum Beispiel den 360-Manual, eine Drehung um die eigene Achse nur auf den beiden großen Rädern. Und ich arbeite noch am One Wheel Spin, der Drehung auf einem Rad – einmal war ich schon ganz nah dran. In letzter Zeit habe ich den Spaß am Springen entdeckt, über so genannte Gaps, also Lücken in der Rampe. Es ist schon ein ziemlich besonderes Gefühl, wenn alle Räder sich vom Boden lösen! Obwohl ich mich insgesamt eher langsam entwickle, weil ich eben nicht so halsbrecherisch drauf bin, konnte ich schon dreimal an der WM teilnehmen. Das liegt auch daran, dass die WCMX-Szene noch nicht so groß ist; in Deutschland sind wir nur rund zehn Aktive. WCMX steht für Wheelchair Motocross und stammt aus den USA, wo dieser Sport schon deutlich weiter ist als bei uns. An der letzten WM im Frühjahr in Texas nahmen rund 30 Rollstuhlskater aus aller Welt teil. Ich wurde Dritte in der Girls Division und mein Freund David Dritter bei den Profis. Das war natürlich toll – aber es geht mir beim Skaten wirklich in allererster Linie darum, Spaß zu haben und Freunde zu treffen.“

Foto: Danny Klahold


Danny „Darkslide“ Klahold, 31, lebt in Schwerte und skatet seit 17 Jahren, vor allem Street, Oldschool und Freestyle. Im vergangenen Jahr wurde der Logistikkaufmann deutscher Ü30-Meister.

 

„Ich erinnere mich noch ganz genau an mein erstes Mal. Ich war 14, es war der erste Samstag in den Osterferien und ich kannte Skaten bis dahin nur von der Playstation. Das fand ich aber so cool, dass ich es unbedingt selbst und in echt ausprobieren wollte. Also bekam ich an jenem Samstag ein Brett und fing direkt vor dem Laden mit dem Skaten an. Damals gab es keinen Skatepark in meiner Nähe und es dauerte eine Weile, bis ich andere Skater fand. Denn die brauchte ich, um mich an jemandem zu orientieren, um Tricks zu lernen. Heute ist das viel leichter: Die Kids können sich jeden beliebigen Trick im Internet anschauen und nachmachen. Auch von mir gibt es da einige Videos zu sehen, unter anderem von meiner Spezialität, dem Darkslide: Dabei rutscht man mit umgedrehtem Board am Geländer entlang, also mit der dunklen Seite, während man selbst auf der Rückseite steht. Ich habe schon eine Weile gebraucht, bis ich den Trick sicher beherrschte; jetzt zeige ich ihn bei jedem Contest – daher ist er zugleich mein Spitzname. Diesen und andere Tricks auch unter Druck zu bringen, ist für mich die größte Herausforderung beim Skaten. Bei Videodrehs ist es mir schon oft passiert, dass etwas perfekt klappt, bevor die Kamera an ist – und dann plötzlich nicht mehr. Einmal brauchte ich für ein Video mit einer Abfolge von drei Tricks ungelogen 133 Anläufe, bis es endlich gepasst hat! Auch wenn ich schon ziemlich lange skate, gibt es immer noch Tricks, die ich verbessern oder neu lernen will. Bei manchen Sachen halte ich mich aber inzwischen zurück, weil es mir einfach zu gefährlich ist – drei Meter hohe Rampen zum Beispiel oder runde Geländer. Auch vor dem, was Lisa und die anderen Rollstuhlskater machen, habe ich sehr großen Respekt – aber ausprobieren muss ich das unbedingt mal.“

Wir haben mehr gemeinsam, als wir denken!

So lautet auch das Motto der neuen Kampagne der Aktion Mensch. Im Fokus der Filme über fünf inklusive Paare stehen dabei die überraschenden Gemeinsamkeiten von Menschen mit und ohne Behinderung, die im selben Job arbeiten, demselben Hobby nachgehen oder andere, unerwartete Berührungspunkte haben. Das Ziel: Begegnung und ein Miteinander fördern, bei dem nicht Unterschiede und vermeintliche Schwächen, sondern die Stärken und Potenziale jedes Menschen im Mittelpunkt stehen.

Hier könnt ihr alle Filme sehen.

Die Aktion Mensch setzt sich mit der Förderung von sozialen Projekten, mit Aktionen und Kampagnen für Inklusion – das selbstverständliche Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung in der Gesellschaft – ein. Ihr Ziel ist es, dass Menschen mit Behinderung überall dabei sein können. In der vergangenen fünf Jahrzehnten hat die Aktion Mensch rund 4 Milliarden Euro an soziale Projekte weitergegeben. Das war nur möglich, weil rund 4 Millionen Menschen regelmäßig bei der Aktion Mensch-Lotterie mitspielen und dafür sorgen, dass das Wir gewinnt.

 

www.aktion-mensch.de